Stadtentwicklung

Für nachhaltige Stadtentwicklung

Schwalmstadt mit seinen 13 Stadtteilen steht in den kommenden Jahren vor einer großen Herausforderung. Der demografische Wandel und der Wandel der Gesellschaft hinterlassen auch in unserer Stadt deutliche Spuren.

Während die Einwohnerzahlen in den umliegenden Gemeinden deutlich zurückgehen, sind sie in Schwalmstadt noch weitestgehend stabil. Das ist auf die noch vorhandene Infrastruktur, insbesondere in den städtisch geprägten Stadtteilen Treysa und Ziegenhain, zurück zu führen. Dieses Potenzial gilt es in den kommenden Jahren zu nutzen und aus zu bauen. Ein Besinnen auf die Qualitäten des Standortes Schwalmstadt ist geboten.

Der Charme der historischen Bereiche mit seinen engen Gassen und verschiedenen Plätzen ist ein hohes Gut. Die Entwicklung der Kernbereiche der Dörfer ist dabei gleichbedeutend mit dem Erhalt der historischen Innenstädte von Treysa und Ziegenhain. Das heute noch sichtbare, aber in vielen Stadtteilen bedrohte historische Erscheinungsbild darf nicht weiter beschädigt werden. Hier gilt es, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Wege zu finden, die eine Belebung der Kernbereiche ermöglichen.

Dazu gehört es, die weitere Zersiedelung zu stoppen. Das bedeutet, auf die Ausweisung neuer Baugebiete zu verzichten und stattdessen die Ortskerne wieder zu beleben. Die städtebauliche Planung muss allen Lebenslagen der Bürgerinnen und Bürger gerecht werden. Dabei spielt Barrierefreiheit eine große Rolle, die vielen nutzt und niemandem schadet.

Neben der Pflege des historischen Erscheinungsbildes sind neue Wege in der Stadtgestaltung erforderlich. Diese müssen ausgerichtet sein an den Bedürfnissen der hier lebenden Menschen. Dabei ist auch auf ein Gleichgewicht zwischen ökonomischer Machbarkeit und Sinnhaftigkeit, ökologischer Verträglichkeit sowie sozialer Ausgewogenheit zu achten. Der vorhandene Wohnraum muss besser, d.h. effektiver genutzt werden. Bei neu zu schaffendem Wohnraum ist ein besonderes Augenmerk auf Barrierefreiheit für ältere und behinderte Menschen zu legen. In Kooperation mit verlässlichen Partnern aus dem Bereich des Wohnungsbaus soll ein gesunder Mix aus Wohnraum für Jung und Alt, für Alleinstehende und Familien entstehen. Ein kommunales Handlungskonzept Wohnen muss ebenso Modelle autofreien Lebens umfassen wie auch genossenschaftliche Projekte und Baugemeinschaften. Wir wollen innovative Wohnformen unterstützen und fördern, die integratives und nachbarschaftliches Wohnen in die Tat umsetzen wollen.

Wir setzen auch in Zukunft auf starke Stadtteile mit eigener Infrastruktur und gewachsenen Strukturen. Das Leben in den Stadtteilen muss für Familien mit Kindern, für Seniorinnen und Senioren, für in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen, d. h. für alle Generationen und Gruppen der Gesellschaft attraktiv sein. Wir wollen deshalb die Stadtteile in den Bereichen Wohnen, Leben, Einkaufen, medizinische Versorgung und Arbeiten weiter stärken, um kurze Wege zu ermöglichen.

Für den Bezug zur Gesamtstadt sind die Sicherung und der Ausbau einer umweltverträglichen Verkehrsanbindung aller Ortsteile an Treysa und Ziegenhain erforderlich. Statt der Schaffung eines überdimensionierten Einkaufszentrums im Wieragrund steht für die GRÜNEN die Reaktivierung vorhandener Leerstände im Vordergrund. Die Belebung der brachliegenden Geschäftsflächen in Bahnhofstraße, Wagnergasse und in der Oberstadt in Verbindung mit einer maßvollen Ergänzung durch Neubauten würde der Attraktivität der gesamten Stadt dienen.

Die Überlegungen der GRÜNEN Schwalmstadt beschränken sich nicht nur auf die zukünftige Entwicklung des Wieragrundes. Dieser sensible städtische Raum steht völlig zu Recht im Mittelpunkt des Wahlkampfes. Denn hier sind schon jetzt Folgen ab zu sehen, die in verschiedenen Bereichen weit in die Zukunft Schwalmstadts reichen werden.

Wieragrund

Wieragrund

Das Thema “Wieragrund” wird die Kommunalpolitik in Schwalmstadt auch in den nächsten Jahren intensiv verfolgen, denn es werden neue Probleme aufgeworfen, die gelöst werden müssen:

  1. Die kommunale Verschuldung wird durch die Wieragrundstraße exorbitant steigen.
  2. Die Wieragrundstraße wird Verkehr in die Innenstadt ziehen, statt ihn über die Zwalmstraße und die Osttangente außen vorbei zu leiten. Außerdem wird sich die Situation für Fußgänger vor dem Bahnhof deutlich verschlechtern. Auch die Radwegplanung hat hier und auf der Mainzer Brücke Mängel. Die innerstädtische Verkehrsproblematik würde durch einen Weiterbau der A49 noch einmal drastisch verstärkt werden.
  3. Die Bauarbeiten werden Folgeprobleme erzeugen, so wird z.B. ein Parkraumkonzept immer nötiger.
  4. Die Aufenthaltsqualität in dem Bereich Wieragrund wird nicht erhöht – nach dem vorliegenden Konzept soll dies auch nicht zwingend geschehen. Daher wird die Notwendigkeit bestehen, in umliegenden Bereichen Plätze, Wege und Bebauungen attraktiver zu gestalten.
  5. Die zunächst als Vorteil angepriesene Fußgängerzone in der Bahnhofstraße wird nach dem Willen der Großen Koalition nicht gebaut. Hier werden die Bürger ihr Recht auf fußgängerfreundliches Einkaufen massiv anmelden müssen, um doch noch eine Fußgängerzone statt eine Einbahnstraße durch zu setzen.
  6. Die Folgewirkungen des überdimensionierten und auf “Parken-Einkaufen- Wegfahren” ausgerichteten Einkaufszentrum Wieragrund auf den Einzelhandel werden zu untersuchen sein. Die Altstadt Treysas wird weiter durch Geschäftsaufgaben an Lebendigkeit verlieren. Hier sind Maßnahmen zu ergreifen, die für eine Wiederbelebung der Altstadt sorgen und die Anbindung an die Bahnhofstraße verbessern.
  7. Die Diffamierung der Initiative “Bürgerbegehren Wieragrund” und der Bürgermitwirkung in Schwalmstadt durch SPD und CDU macht es nötig,dass die Bürgerinnen und Bürger Schwalmstadts auch bei anderen Anlässen aktiv werden und das Mittel des Bürgerentscheids und die direkte Demokratie in Schwalmstadt etablieren.

Für Fußgängerzonen

Bündnis 90/GRÜNE befürworten schon seit langem eine Fußgängerzone in der Bahnhofstraße und stellten ihre Gestaltungspläne den Bürgern vor. Im Zuge der Diskussion um die Wieragrundstraße und das Einkaufszentrum wurden nun von zwei Geschäftsleuten in der Bahnhofstraße Aufkleber angebracht “Wer eine Fußgängerzone will, darf nicht das Bürgerbegehren unterschreiben”. Nach Ablauf der Bürgerbegehrenfrist stellt sich allerdings heraus, dass die Große Koalition gar keine Fußgängerzone plant, sondern die Bahnhofstraße zur Einbahnstraße umfunktionieren will.

Das vorliegende Konzept sieht auch in der Zukunft kein attraktives und ungestörtes Einkaufen in der Bahnhofstraße vor, statt dessen wird alles auf eine Bevorzugung des neuen Einkaufszentrums Wieragrund ausgerichtet. Eine Fußgängerzone gibt es in Schwalmstadt offenbar nur mit den GRÜNEN.

Das Projekt “Fußgängerzone” sehen die GRÜNEN Schwalmstadt im Zusammenhang mit einer attraktiven Straßen- und Platzgestaltung, einer Begrünung und einem kleinen Wasserlauf als Tourismusweg mit einer Verbindung bis hin zum Marktplatz. Die Altstadt ist ein Schatz, der belebt und an die Fußgängerzone angebunden werden muss. Wir stellen uns einen Fahrstuhl von der Stadtsparkassenpassage in den Töpferweg vor.

Auch für Ziegenhain sehen die GRÜNEN die Perspektive in fußgängergerechten Erlebnis- und Einkaufsbereichen. So haben es die Verantwortlichen im Zuge des Straßenumbaus Wiederholdstraße verpasst, dort eine für Einkäufer attraktive Umfeldgestaltung durch zu führen. Für ganz Schwalmstadt aber gilt: Verbesserungen der Aufenthaltsqualität, Platzgestaltungen und Fußgängerzonen sollten – wie bei der Umplanung des Paradeplatzes – immer mit einer starken Bürgermitwirkung einhergehen.

Für Verbesserung der Aufenthaltsqualität

Die Diskussionen um den Paradeplatz in Ziegenhain haben gezeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger Schwalmstadts Interesse an einer attraktiveren Gestaltung ihrer Stadt haben und daran kompetent mitwirken können. Diese Erfahrung scheint uns auch auf andere Stadtteile übertragbar.

Die folgenden Vorschläge sind daher nur als Anregungen zu verstehen; sie bedürfen der Bürgermitwirkung, insbesondere der Eigentümer und Anlieger, sowie der Sach- und Kostenprüfung:

  • Fußwege an Flüssen und Bächen – z.B. wo möglich entlang der Wiera
  • Neue Gestaltung von Flussbereichen – ggf. Verzicht auf Begradigung und Renaturierung der Schwalm zwischen Wiegelsweg und Stadion
  • Wildblumenwiesen auf unbebauten Grundstücken in der Stadt
  • Touristischer Kulturrundweg, begleitet mit kleinem Wasserlauf vom Johannisbrunnen bis zur Wiera (Bächle)
  • Verbesserung der Aufenthaltsqualität, z.B. Begrünung oder Anlage von Sitz-und Spielplätzen – ggf. Verzicht auf Parkplätze
  • Fassaden-Begrünung, begrünte Überdachungen, Laubengänge u.Ä. – z.B. Gestaltung eines GRÜNEN Tores als Eingangssituation zur Stadt, Begrünung im Bereich des Wieragrundes, des Bahnhofes, der Wiederholdstraße.